Donnerstag, 13. November 2025

Unterwegs mit dem Deutschlandticket

 

Unterwegs mit dem Deutschland-Ticket


Seit 2023 bin ich stolzer Besitzer eines Deutschlandtickets. Stolz, weil es die einfachste Form ​der Nutzung von öffentlichen Nahverkehr ist. Früher gab es verschiedene Fahrpreise in einzelnen Bundesländern, und mit der Einführung des 9€-Ticket nach der Coronazeit wurde es im großen und unterschiedlichen Gebührendschungel viel einfacher. In Deutschland komplett zu einem Preis unterwegs zu sein, und dazu grenznahe Städte mit dem Ticket anfahren zu können, das ist schon von Vorteil und hat vieles im Pendelbereich vereinfacht.
So nutze ich seitdem die Verbindungen nicht nur für Fahrten im Arbeitsleben, mittlerweile ist meine gesamte Freizeit darauf abgestimmt. Naturfreude und die Liebe zum Wandern werden je nach Verbindungsmöglichkeiten davon gesteuert und geplant.
Neben vielen kleinen regionalen Wanderungen hat sich mein Geschmack zum Wandern insofern verändert, dass ich mittlerweile Fernwanderwege mit mehreren Etappen begehe, wo ich Ziele mit Bahnhöfen erreiche, um am gleichen Tag wieder nach Hause zurückzukehren. Anders als bei der Autofahrt verlangt dies mehr Planung und Absicherung. Ähnlich wie bei einer Streckenplanung für die Autofahrt wird zwecks Planung mit dem ÖPNV das Internet und die passenden Apps genutzt. Die Suche ist natürlich wesentlich intensiver und aufwendiger, aber mit der irgendwann kommenden Routine steht die Sicherheit.
Sollte ich irgendwann wieder ein Fahrzeug zum unabhängigen Anfahren haben, würde ich mich gewiss freuen und dies nutzen, aber ich gestehe, dass ich mit Reisen im Nahverkehr viel relaxter und ausgeruhter bin. Es mag sein, dass viele Verspätungen und überfüllte Bahnen sehr nerven, aber ich  fühle​ schon, dass ich im Laufe der Zeit weniger ​dafür empfindlich b​in, und vom Umgang her damit besser klar komme, als viele andere. So kam es dazu, dass mir ein guter Freund, der mich im In- und Ausland schon begleitete, in diesem Sommer mitteilte, dass es kaum jemanden wie mich gibt, der so ruhig und gelassen mit den Situationen am Bahnsteig oder sonst wo umgehen würde. Eine erarbeitete Geduld, welche ich im früheren Leben nie von mir erwartet hätte. 
Ich werde Geschichten und Beschreibungen ​hinzufügen, die nicht nur oberflächlich von Problemen und Leiden mit der Bundesbahn erzählen, viel mehr möchte ich zum Ausdruck bringen, wie angenehm es doch sein kann, in Deutschland nachhaltig mit dem Bus und der Bahn unterwegs zu sein.
Ein Höhepunkt war im Frühsommer ein verlängertes Wochenende, an dem ich es schaffte, samt Rückkehr in vier Tagen mit dem Ticket mit verschiedenen Regionalbahnen nach Bayern ins Voralpenland zu fahren, um dort gezielte Wanderungen zu absolvieren. Ich gebe zu, dass es ein Nonstop Programm war, aber alleine die schönen Erinnerungen und die gelungenen Fahrten zählen.
Bislang kann ich mich meist auf Erlebnisse berufen, die ich spontan zum Wochenende anging. Sobald ich erkannte, dass es Zeit für mich war, bei angenehmen Wetter loszuziehen, erarbeitete ich mir am Vorabend die gewünschte Strecke samt Fahrplan.
So plante ich im Frühjahr `24 eine Tour, die aufgrund der noch kurzen Tageshelligkeit im Februar von den Streckenlängen her machbar war. Zu dem Zeitpunkt gab es viel​ vom Hambacher Forst zu hören. Bildlich hatte ich noch die große Abbaufläche bei Garzweiler in Erinnerung, und somit hatte ich drei Komponenten zusammen, warum ich dort in mehreren Etappen wandern wollte. Dies waren die bildlichen Aspekte mit viel Natur und Abbauflächen sowie das Thema besetzter Wald. Ich wollte neben den Berichten in den Medien meine eigenen Geschichten und Erfahrungen dort sammeln, um kein ​von außen gesteuertes Meinungsbild zu haben. Mit meiner Wander App hatte ich schnell eine Wandertour rund um den Braunkohleabbau erarbeitet, die mir an bestimmten Stellen mögliche Haltestellen für die An- und Abfahrten anzeigte. Es folgte eine vierteilige Tour, wobei ich an verschiedenen Tagen jeweils anreiste. Nachdem ich nun eine Alternative zum beliebten Fernwanderweg GR34 ( GR34meinbunterWeg ) in der Bretagne nutzte, den ich wegen der längeren An- und Abreise jeweils nur in Ferienzeiten begehen konnte, hatte ich somit eine Basis für mich gefunden, um möglichst nahe der Heimat weitere lange Strecken mit vielen Tagesetappen zu  gehen. So kam es dazu, dass ich an einem angenehmen Sonntag spontan zur Sieg fuhr, um einer kurzen Wanderstrecke zu folgen, und um ein Empfinden für Zugfahrten dorthin zu bekommen. Es war der Auenlandweg, der 2023 als zweitschönste Tagestour prämiert wurde. Ich war erstaunt bei der zwar kurzen aber schönen Wanderrunde bei Wissen/Sieg. Entlang des Weges sind zahlreiche Holzskulpturen aus dem Fabelwesen aufgestellt, der mich danach zu mehr Interesse dieser Region anregte. 

F​olgend bin ich ​seitdem dort auf dem Natursteig-Sieg unterwegs, der 14 offizielle Etappen beinhaltet, und dazu viele weitere sogenannte Erlebniswege, die allesamt vom Besucherzentrum Naturregion Sieg angeboten und gepflegt werden. Interessant ist dieses Wanderprogramm allein durch den Wert der unproblematischen An- und Abfahrten, da jede einzelne Etappe an einem Bahnhof endet, beziehungsweise startet. 
Dieses Projekt habe ich witterungsbedingt noch nicht ganz beendet, weswegen ich​ zwischenzeitlich eine Herbst/Winter Challenge begann, bei der ich diverse Orte an einen Tag mit der Bahn anreise, um dort kleine touristische Aufgaben zu erfüllen, und nachmittags wieder den Heimweg antrete. Dabei bin ich viele Stunden mit ungewissen Ausgang unterwegs, um weitere Orte in Deutschland zu entdecken, um mich der Aufgabe zu stellen, hartnäckig den Gegebenheiten bezüglich Nahverkehr mit eventuellen Verspätungen ​auszuprobieren
Bislang hatte ich trotz der ​ein oder anderen Schwierigkei​t viel Spaß an diesen Fahrprojekten, wobei gerade das austesten mit den Bahnverbindungen und beobachten bezüglich der verschiedenen Mitfahrern ​mit ihren unterschiedlichen Auffälligkeiten​ auch seinen Reiz hatte. Das stabilisieren des eigenen Nervenkostüms mit vielen unangenehmen Dingen​, welche jeweils​ auf Fahrt​en auftreten könnten, gehört ebenso zum Lernprojekt, wie auch das Erleben verschiedener Geschichten unterwegs.

Deutschland ist schön, Deutschland ist es wert, erlebt zu werden. 


Mehrfach entlang auf dem Natursteig-Sieg


       
Wandern um den Braunkohletagebau Hambach



















Von Wuppertal aus durch Deutschland
....bis ins Voralpenland.

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